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Reservationszeit
Zeitraum: 1883 bis 1934 
Im Jahr 1879 verschwand der Bison aus dem Gebiet der kanadischen Prärie. Die Schwarzfuß-Indianer baten die kanadische Regierung um Hilfe, doch diese meinte nur, sie sollten in die USA gehen und dort Bison suchen. Viele Schwarzfuß-Indianer verhungerten.
1883 verschwand der Büffel aufgrund von Überjagung vor allem durch Weiße und durch gezielte Tötungskampagnen auch aus dem Gebiet des heutigen Montana. Nur einzelne Tiere und kleine Herden überlebten im Verborgenen. Der darauf folgende Winter ging als „Hungerwinter“ in die Blackfeetgeschichte ein. Allein durch den Hunger starben 600 Blackfeet. 1884 wurde die durch das Verschwinden des Büffels ausgelöste Hungersnot so groß, dass sich auch die letzten freien Blackfeet in die Reservation und die Abhängigkeit begeben mussten. Jetzt waren die stolzen, vormals freien Jägernomaden von Reservationsagenten abhängig, die Nahrungsmittel und andere wichtige Dinge wie Decken verteilten. Die Abhängigkeit brachte einen tiefen Wechsel in der Kultur, Wurzellosigkeit und fehlendes Selbstbewußtsein, der sich bis heute auswirkt.
Um zu Überleben und auf Befehl der Regierung mussten die Blackfeet zu Ackerbauern und Viehzüchtern werden. Allerdings war es den Blackfeet nie möglich, nur mit Hilfe der Landwirtschaft von den ihnen zustehenden Zahlungen und Lebensmittellieferungen unabhängig zu werden. Klima und Boden ließen und lassen es nicht zu. Eine Dürre und eine weltweite Wirtschaftskrise machte es den Blackfeet im 19. und auch im 20. Jahrhundert zusätzlich schwer, mit der Landwirtschaft zu überleben. Es gab oft keine andere Möglichkeit mehr, als sich auf die Überlebensrationen der Regierung zu verlassen. Damit wuchs aber auch die Abhängigkeit von den Indianerbeauftragten (kinnoona) weiter. Moral und der Lebensenergie der Blackfeet, die sowieso schon durch die neue starre vorgeschriebene Lebensweise am Boden lag, zerbrachen weiter.
Das Leben von Bauern und Viehzüchtern war im 19. Jahrhundert in der Prärie ein hartes Brot. Der Boden wurde mit Pferd und Pflug bestellt. Es war für die nördlichen Schwarzfuß-Indianer besonders schwer, die auf kanadischem Boden lebten, aufgrund der Überwachung durch die Kleinbauern-Polizei, eigentlich beinahe unmöglich war. Diese Indianer mussten mit Hand aussäen und das bisschen Ernte mit der Handsichel abernten. Die Regierung meinte, das wäre notwendig, damit die „Indianer ein besseres Verständnis für das Land bekämen“.
Der Hunger zwang die Blackfeet zur (offiziellen) Aufgabe ihrer Zeremonien und Feiern, wie dem Medizinhüttentanz (Sonnentanz). 1881 wurde das Piercen verboten. 1904 wurde der Sonnentanz vollständig untersagt.
1893 vollendete die Eisenbahngesellschaft „Great Northern Railway“, ihren Bau und damit konnten Weiße sich das „Leben der Rothäute“ ansehen fahren. Es begann der erste Indianertourismus und es eröffnete sich eine neue Einnahmensquelle für die Blackfeet. Vorführungen von Reiterkunststücken oder “echtes” Leben in den Tipis und der Verkauf von Kunsthandwerk linderte ein wenig den Hunger und half, die Traditionen vor der gewollten Auslöschung zu bewahren. Trotzdem musste der Stamm bereits drei Jahre später, also 1896 einen Teil ihres Reservats an die Regierung verkaufen. Er wurde später zum Glacier Nationalpark. Auch rückten die ersten Minengesellschaften an, um nach Bodenschätzen zu schürfen. Die daraus resultierende Umweltverschmutzung der von allen staatlichen Kontrollen freien Firmen vergiftete Erde und Wasser. Die Blackfeet wurden jetzt auch noch davon krank. Außerdem schleppten die Mitarbeiter dieser Minengesellschaften immer wieder Epidemien ein. Arbeit brachten die Minen nur wenig. Natürlich waren die Blackfeet nur die schmutzigsten und gefährlichsten Jobs gut genug.
Von Anfang an war das Reservat und die dort lebenden Menschen Eigentum der Agenten des Büros für indianische Angelegenheiten und waren mehr Gefängnis, denn Lebensort. Die Agenten stahlen die Gelder, verkauften die Nahrungsmittelrationen und zu verteilenden Gegenstände. Wer sich wehrte oder anderweitig nicht gefügig war, dem wurde die medizinische Behandlung vorenthalten, gewaltsam von der Familie getrennt, ohne Gerichtsverhandlung oder mit untergeschobenen Verbrechen ins Gefängnis gebracht. Auch direkter Mord war nichts ungewöhnliches. Die Agenten waren die ungebrochenen Herrscher. Korrupte Regierungsbeamte und private „Händler“ bildeten den „Indian Ring“, der die Blackfeet, wie alle anderen Ureinwohner betrügen konnte, da es keinen Menschen interessierte, unter welchen Umständen die Ureinwohner Amerikas dahinvegetieren mussten.
Als es die Zustände stände selbst bei dem allgemeinen Desinteresse unhaltbar geworden war, fanden sogenannte Reformer die Lösung darin, dass die Blackfeet sich an die weiße Zivilisation anpassen sollten und ihre Traditionen, ihren Glauben und ihre Lebensweise aufgeben sollten, die als rückständig verdammt wurden. Damit den Ureinwohnern geholfen werden konnte, musste ihre Kultur vernichtet werden. So begann die bis heute verfolgte Politik der kulturellen Vernichtung.
1887 wurde der Dawes General Allotment Act durch den Kongress verabschiedet, der verfügte, dass das Stammesland, das bis dahin Stammes- und damit gemeinsames Eigentum war, in kleine Grundstücke aufgeteilt wurde und einzelnen Blackfeet-Familien überschrieben wurde. Dadurch, dass die Blackfeet zu unabhängigen Landbesitzern und Bauern gemacht wurden, sollte zuerst die Struktur der Stammesgesellschaft und die Macht der Häuptlinge vernichtet werden und zugleich den Ureinwohnern das Land weggenommen werden. Zweitens wurde im Zuge der Durchführung dieses Aktes nicht zugeteiltes Land an Weiße verkauft.
1934 wurde der Allotment Act aufgehoben und den Blackfeet gehörte nicht einmal mehr die Hälfte des Landes, dass ihnen 1887 zugeteilt wurde, denn durch Unkenntnis der weißen Wirtschaft, Unerfahrenheit als Bauer und klimatische Umstände konnten viele Neubesitzer ihre Steuern, eine weitere gute Möglichkeit des Staates, die Blackfeet um ihr Geld zu bringen, nicht aufbringen und mussten ihre Landstücke verkaufen. Zusätzlich war ein großer Teil des noch in Indianerhand verbliebenen Landes an Weiße verpachtet. Natürlich nur die besten Gebiete.
Thomas Jefferson Morgan, Indianerbeauftragter in Präsident Benjamin Harrisons Regierung meinte 1889:
“Die Indianer müssen sich in "die Lebensweise der Weißen" einfügen - friedlich, wenn sie es wollen, gewaltsam, wenn es sein muß. Sie müssen ihre Lebensweise unserer Zivilisation anpassen. Vielleicht ist diese Zivilisation nicht die bestmögliche, aber sie ist die beste, die die Indianer bekommen können. Sie können ihr nicht entkommen und müssen sie entweder übernehmen oder von ihr zerstört werden. Die Stammesbeziehungen müssen aufgelöst, der Sozialismus vernichtet und durch die Familie und die Autonomie des Individuums ersetzt werden.”
Schon bei der Durchsetzung des Allotment Actes fing der Betrug an, denn Agenten der Büros für Indianische Angelegenheiten erklärte kleine Kinder, Hunde und Pferde zu Indianern mit Landansprüchen, damit sie danach dieses Land an Weiße verkaufen konnten. Eine andere Methode war an das Land der Blackfeet zu kommen, war, indianische Waisenkinder zu adoptieren, um sich deren Grundstücke anzueignen. Was mit den Kindern dann geschah, interessierte dann kein Jugendamt oder das BIA.
Zeitgleich mit dem Landraub sollte die indianische Kultur vernichtet werden. Deshalb erging das Verbot Rituale und Zeremonien, wie etwa den Sonnentanz durchzuführen. Die Stammessprache wurde verboten, Medizinmänner und Schamanen kamen ins Gefängnis, so sie weiter ihrer Tätigkeit nachgingen. Das Tragen der traditionellen Kleidung wurde nur noch alten Männern gestattet. Damit sollte die Tradition unterbrochen werden, da bestimmte Zeremonien an bestimmte Äußerlichkeiten gebunden schienen. Doch trotz allem lebten Kultur und Traditionen der Blackfeet im Geheimen weiter. Sie lernten, dass Äußerlichkeiten nicht wichtig sind. Der Sonnentanzbaum wurde mit der amerikanischen Flagge geschmückt und der Sonnentanz von der Sommersonnenwende auf den 4. Juli verlegt.
Schlimmer war, dass die Kinder ihren Eltern entzogen und in Internate gezwungen wurden, wo ihnen Kleidung, Sprache und Name genommen wurde. Kamen sie zu ihren Familien zurück, waren sie oftmals nicht mehr in der Lage, ihre Eltern zu verstehen oder lehnten deren Lebensweise vollständig ab. Um diesen Kindern ihre Kultur, ihre Identität zu nehmen, mussten sie – oftmals mit Gewalt durchgesetzt– ab 1879 in Internate weit außerhalb der Reservate gehen. Diese Aufenthalte dauerten Jahre. Sie lernten, dass die Blackfeet wie alle Ureinwohner dreckige faule undankbare Tiere seien.
In den Internaten wurde zwar den Kindern neben einer Grundschulbildung auch ein meist handwerklicher Beruf beigebracht, aber der Preis dafür war hoch. Als erstes wurde ihnen ihr Aussehen geraubt. Die Blackfeet-Kinder, die ihren Eltern weggenommen wurden oder wo die Eltern gezwungen waren, sie wegzuschicken, damit die Kinder nicht verhungerten, mussten ihre traditionelle Kleidung ablegen und die enge, unbequeme und einengende Kleidung, oft Uniformen, der Weißen anziehen. Die Haare der Jungs wurden kurzgeschoren, den Mädchen fremde Frisuren aufgezwungen. Sie erhielten neue Namen. Ihre Sprache und Gebete wurden unter Strafe verboten. Jeden Tag wurde ihnen eingetrichtert, dass ihre Eltern und Geschwister, ihre Großeltern, Tanten und Onkel dumm und primitiv seien, blutgierige Mörder und Diebe. Viele Kinder wurden krank, viele entfernten sich von ihrem Volk.
Es gab auch Kinder, die sich wehrten. Die Geschichte von Lone Wolf ist bekannt geworden, der seinen Lehrer wegen dessen Brutalität und Lügen mit den Fäusten angriff. Er hatte Glück und wurde nur an eine andere Schule versetzt, aber auch dort verteidigte er Mitschüler gegen die Brutalität der weißen Lehrer, bis er ins Gefängnis abgeschoben wurde.
Die Blackfeet, die diese Schulen durchlaufen hat, haben nur sehr selten den Sprung in die weiße Welt geschafft, aber zurück in ihre Welt konnten sie auch nicht mehr. Die Zerstörung der Kultur und damit eines gesunden Selbstbewusstseins war umfassend und wirkt bis heute fort.
Ebenso kam es zu Zwangsadoptionen, wobei Kinder aus ihren Blackfeet mit Gewalt herausgenommen wurden, um von „guten christlichen“ und vor allem weißen Familien zu „zivilisierten“ Menschen erzogen werden sollten. Viele dieser Kinder wussten nicht einmal mehr, aus welchem Stamm sie kamen und wie ihr richtiger Name lautet.
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