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Das Blackfeet-Reservat ist das fünftärmste Reservat der Vereinigten Staaten !
In der Reservation der Blackfeet-Nation leben Menschen, die durch ihre Geschichte wie auch durch den „Indian War“ der immer noch stattfindet, geprägt sind. Der Kampf um die alten Werte und Moralregeln wird von Menschen geführt, von denen viele gewaltsam von diesen Werten entfernt wurden. Ihre Leistungen sind umso beachtlicher, eigentlich bewundernswert.
Viele Dinge, die im Reservat bittere Realität sind und viele von uns abhalten, für die von mir vorgestellten Projekte zu spenden, sind auf die besondere Geschichte der amerikanischen Ureinwohner zurückzuführen, und zwar den Teil, wo die us-amerikanische Regierung versucht hat, auf verschiedene Weise diese eigentlichen Amerikaner auszulöschen und das Wissen über sie zu verfälschen. Ein Prozess, der immer noch stattfindet. Ich habe versucht, dies in den Abteilungen „Geschichte“ sowie “Allgemeines” meiner Webseite darzustellen.
Die Kinder, die durch die „Indianerinternate“ (Boardingschools) gezwungen wurden, in denen nicht nur prüdeste Moral gelehrt und die Kultur der Ureinwohner durch den Dreck gezogen wurde (und das auch heute noch, nur subtiler), sondern wo körperliche Gewalt, Psychoterror und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung waren und leider auch ist, sind die Eltern und Großeltern der heute lebenden Blackfeet. Der Zwang zu den Schulen endete in den 80er Jahren. Das ist kaum 20 Jahre her.
Ich persönlich habe die Folgen von religiöser und kultureller Hirnwäsche in den Internatsschulen von Don Bosco bei den Quechuas in Peru, wo die Kinder im Übrigen acht Stunden am Tag in Werkstätten arbeiten, gesehen. Sie sind desaströs. Die Kinder waren nicht einmal in der Lage, ein Bild zu malen, ohne irgendwelche religiösen Symbole drüberzustreuen, lehnten die Lebensweise ihrer Eltern ab und sahen sich selbst als unwert an. Nun haben diese Kinder aber schon europäische Kleidung, europäische Namen, den christlichen Glauben und sind zumeist zweisprachig. Welche Folgen hat aber nun solch Zivilisierung auf Kinder, denen zusätzlich noch die gewohnte Kleidung, der eigene Name, die vertraute Sprache und die basisgebende Weltanschauung genommen wird? Und die eine verständnisvolle gewaltfreie Erziehung im Kreise einer engen Gemeinschaft erleben durften? Jeder möge in sich gehen und mal fünf Minuten nachdenken. Und sich dann die Folgen ausmalen.
Dazu kommt, dass jeder amerikanische Ureinwohner bis heute Diskriminierungen und Zurücksetzungen ausgeliefert ist, wenn er sein Glück außerhalb des Reservats versucht. Blödsinnige Bemerkungen sind noch das Geringste. Ständig müssen sie gegen Vorurteile kämpfen. Jedes Gesetz dient nur dazu, ihnen etwas wegzunehmen, selbst die Kinder. Allein die Tatsache, dass jeder Polizist zuallererst die Ureinwohner kontrolliert und sie dann vom Gericht fast immer zu den Höchststrafen verdonnert werden, erklärt den hohen Anteil der Ureinwohner an den Straftaten. Wer viel kontrolliert, findet viel. Und wer sehr arm ist, neigt dazu, sich zu nehmen, was ihm fehlt. Und ich rede hier nicht davon, dass sich ein Jugendlicher sich nicht das neueste Handy leisten kann, obwohl natürlich auch die Blackfeet dem Druck der Medien zu einem modischen Lebensstil und Statussymbolen unterliegen und erliegen. Und ich rede hier nicht davon, dass sich ein Jugendlicher sich nicht das neueste Handy leisten kann, obwohl natürlich auch die Blackfeet dem Druck der Medien zu einem modischen Lebensstil und Statussymbolen unterliegen und erliegen, sondern oftmals handelt es sich um einen nackten Überlebenskampf, den wir eigentlich nur in der 3. Welt vorzufinden glauben.
Die Arbeitslosenquote liegt laut offizieller Darstellung bei 75 % und 22 % der Blackfeet gehören den „Working Poor“ an, d. h. ihr Einkommen reicht nicht zum Leben aus. (Also können sich nur 3 % der Blackfeet von Arbeit gut ernähren? Lese ich die Statistik richtig?). Fakt ist, ein Reservats-Blackfeet überlebt mit nur einem Drittel des durchschnittlichen nationalen Einkommens eines US-Bürgers und mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommens in Montana. Ein Beispiel: Die Familie meines „persönlichen“ Sponsorship-Kindes hat nur 830 Dollar im Monat zur Verfügung. Das muss für drei Personen ausreichen!
Folge dieser oben dargestellten Situation sind Alkoholismus, Gewalt und Schulabbruch.
Schulabbruchrate 65% !
Ein Drittel der Bevölkerung ist alkoholabhängig.
Das heißt, Armut ist die Normalität im Blackfeet-Reservat. Die Armut bedeutet schlechte Ernährung, kein Geld für Freizeitaktivitäten oder Kultur, kein Urlaub, ungenügende medizinische Versorgung oder auch, dass man manchmal nicht weiß, was ob man morgen zu essen hat, dass man nicht zum Arzt geht, weil das Geld nicht da ist, dass der Geburtstag ohne ein Geschenk vergeht, dass man im Winter mit dünnen Tennisschuhen herumläuft, dass kein Geld für ein Buch da ist, also auch, dass die allermeisten Kinder keine Möglichkeit zu Nachhilfeunterricht haben. Viele Jugendlichen brechen die Schule ab, weil ihre Eltern die Kosten für den Schulbesuch nicht aufbringen können und die diese Armut nicht eingestehen und bei der Fürsorge um Hilfe bitten wollen. Mehr als dieser Rest an Stolz ist vielen nicht geblieben. Außerdem bringt ihnen Schulbildung auch nicht viel. Offizielle 75 % Arbeitslosigkeit heißt, dass real 90 % keine Arbeit haben. Und die Jobs, die es gibt, sind fast immer zeitlich begrenzt und schlecht bezahlt. Resignation ist die Folge.
Außerhalb des Reservats, wie auch innerhalb, denn es leben viele nicht-Ureinwohner dort, kommen Diskriminierung dazu, sodass das letzte bisschen Selbstbewusstsein und die Selbstachtung flöten gehen. Ein Ureinwohner kann den von den Medien vorgegeben Lebensstil selten erreichen. Und der Lebensstil fängt schon mit der vorgegebenen Schulbekleidung an. An US-amerikanischen Schulen sind meist Uniformen Pflicht. Angeblich sollen sie Unterschiede vermeiden, aber sie muss erst einmal bezahlt werden. Ich persönlich habe in Peru erlebt, wieviel intelligente Quechua-Kinder nur die Grundschule besucht haben oder gar keine Schule, einfach, weil ihnen die Uniform fehlte. Der Schuldirektor meines Sohnes hat mich und unsere Streitgespräche immer noch in hasserfüllter Erinnerung, denn in Peru ist Uniform eigentlich nicht vorgeschrieben, sondern liegt im Ermessen des Direktors. Es scheint, als ob dies weltweit gängige Praxis ist, um die ärmeren Teile der Bevölkerung von guter Bildung fern zu halten. Und es klappt.
Dass die Eltern, die dieselbe Misere durchlebt und nur eine geringe Schulbildung haben, ihren Kindern nicht die notwendige Unterstützung in schulischen Belangen geben können, ist ein Teufelskreis. Viele müssen ihre Kinder wieder in Boarding Schools oder in religiöse Schulen geben, damit die Kinder die notwendige Schulbildung erhalten, die sie ihnen selbst nicht finanzieren können. Viele dieser Schule brüsten sich heute noch auf ihren Webseiten, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt den Indianern die „echten christlichen Werte“ vermitteln und sie zu „guten Mitgliedern der Gesellschaft“ erziehen, was heißt, sie werden den Werten ihrer Kultur und ihren eigenen Familien entfremdet, denn Leistungen ihres Volkes werden massiv heruntergeredet oder ganz negiert. Entwurzelung, Entfremdung, nicht wissen, wo man hingehört, sind die Folge. Was resultiert daraus? Hilflosigkeit und Hilflosigkeit macht aggressiv, vor allem gegen noch Hilflosere
Diese Hilflosigkeit führt zu der Gewalt gegen Frauen und Kinder und zur Gewalt untereinander. Frauen sehen weg, was ihren Kindern angetan wird, Männer missbrauchen Frauen und Kinder, Prügel ist fast schon normal, wo früher die Kinder mit Geduld und Verständnis erzogen wurden und niemand auf die Idee kam, ein Kind körperlich zu strafen. Die Hoffnungslosigkeit, die ständigen Diskriminierungen und die schlechten Vorurteile verstärken diese Tendenz.
Arbeitslosigkeit, Resignation, Armut und Entwurzelung bringen weitere Übel hervor; Drogensucht zum Beispiel.
Die Jugendliche nehmen, hier ist die Armut einmal ein Segen, kaum „harte“ Drogen zu sich, einfach, weil sie sie nicht bezahlen können, aber Marihuana und Haschisch sind leider gängig. Und die Metaamphetamine dringen als neue billige Droge in die Reservate ein und zerstören jetzt auch noch die Körper der Süchtigen.
Hauptproblem ist aber der Alkohol und das Problem ist generationsübergreifend. Kinder, die ihre Eltern trinken sehen, greifen selbst zur Flasche. Und amerikanische Ureinwohner haben ein besonderes Problem: sie werden wesentlich schneller betrunken und schneller abhängig, denn in ihrem Körper fehlt etwas, woran sich durch jahrzehntausendelange Trinkerfahrungen weiße und schwarze Körper angepasst haben: das Alkohol abbauende Enzym, dass die Leber produziert. Zwei laberige Bier und ein Indianer ist breit. Sie müssen den Alkohol vollständig abatmen und ausscheiden. Ein Prozess, der bis zu drei Tage dauert. In der Zeit kann der Alkohol seine verheerende Wirkung bestens entfalten.
Entwurzelung, geringe Bildung und Resignation, gepaart mit diesem Enzymmangel bringt eine höhere Alkoholikerrate hervor, was sich auch in der Häufigkeit von FAS, dem fötalen Alkohol-Syndrom, ausdrückt. Die pränatalen Schädigungen sind stärker und häufiger. Viele behinderte Menschen im Reservat leiden an FAS (http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6tales_Alkoholsyndrom).
Der Alkoholmissbrauch bringt aber auch wieder mehr Aggressivität hervor und baut das Verantwortungsbewusstsein ab, also noch mehr Gewalt gegen Frauen und Kinder und noch mehr Vergewaltigung, gefördert durch die 150 Jahre andauernde Missbrauchs- und Vergewaltigungserfahrungen in den Boardingschools.
Auch solch simple Dinge sind die Folge: Die Lebensmittelmarken werden von den Drogen- und Alkoholsüchtigen oftmals noch am Ausgabetag in den umliegenden „weißen“ Ortschaften in Alkohol und Drogen umgesetzt. Dadurch hungern viele Kinder oder erhalten nur minderwertige Nahrung. Dazu kommt, dass die Waren im Reservat sowieso überteuert sind, besonders Obst und Gemüse. Damit ist es selbst in intakten Familien den Eltern oft unmöglich, die Kinder gesund und ausgewogen zu ernähren.
1997 hat die US-Regierung das Wohlfahrtsgesetz „reformiert“. Das verschärfte die Situation in vielen Blackfeet-Familien, etwas, was die Bush-Regierung noch ausgebaut hat. Die drastische Kürzung der Sozialhilfe soll angeblich die Empfänger zur Arbeit zwingen. Dieselbe idiotische Einstellung, die auch in Deutschland vor allem Familien, also Kinder in die Armut und Isolation treibt. In Deutschland sind es vier Millionen Faule und im Blackfeet-Reservat 70 % der indianischen Bevölkerung? Es gibt kaum Arbeit im Reservat und in der näheren Umgebung und weiter entfernt – siehe oben – nur Dreckarbeit, noch mehr Diskriminierung und keine Möglichkeit zur Erhaltung der kulturellen Identität oder eine familiäre Umgebung. Also bleiben Preisgelder von Powwows, Ausverkauf ihrer Fähigkeit, z. B. das Sichzurschaustellen in den deutschen Powwows, wo die Hobbyisten glauben, indianischen Leben zu erfahren, die gefährliche Arbeit als Feuerwehrmann, Militärdienst oder Kunsthandwerk sind die wenigen Auswege. Oder Kriminalität.
Ein weiteres großes Problem im Reservat ist die Mobilität. Der öffentliche Nahverkehr in den USA ist ein Witz. Also sind die Bewohner des Reservats wegen der riesigen Entfernungen im Reservat auf ein Auto angewiesen. Da sich viele Familien kein Auto leisten können (ca. 25 %) oder kein Geld für Benzin haben, sind sie auf Nachbarn oder Verwandte angewiesen, um außerhalb des Reservats günstiger und qualitativ bessere Ware einkaufen zu können oder überhaupt nur an Grundnahrungsmittel heranzukommen. Hier sind oft Fahrten von mehr als 100 Meilen (160 km) in die nächste Stadt notwendig.
Im Winter machen Blizzards (Schneestürme) und Schneeverwehungen Fahrten oft unmöglich. Die riesigen Entfernungen und die abgelegene Lage vieler Ortschaften zusammen mit der starken Armut im Reservat machen den Transport für einen großen Teil der Bevölkerung zu einem ernsten Problem mit vielen Folgen.
Die kalten, strengen, meist schneereichen Winter bringen ein weiteres, für uns kaum vorstellbares Problem. Die Temperaturen sinken häufig unter - 25 °C. Die Armut macht es den Blackfeet schwer, einen Winter gesund zu überleben. Heizmaterial kostet viel Geld, die vom Staat hingestellten Baracken, Trailer genannt, und die Fertighäuser haben sehr dünne Wände. Sie sind extrem schlecht isoliert. Für deutsche Verhältnisse sind es eigentlich Schuppen, kaum geeignet unter den dortigen klimatischen Verhältnissen, Tiere unterzubringen. Diese Hütten müssen bei tiefsten Temperaturen warm gehalten werden. Holz oder Propangas sind die häufigsten Heizmaterialien. Wer kein Geld dafür hat, wird krank oder stirbt sogar. Jedes Jahr gibt es Blackfeet, die an Unterkühlung, Lungenentzündung oder Erfrierungen sterben. Die meisten sind alte Leute und Kinder. Es ist ein Glück für die Blackfeet, dass das Reservat holzreich ist und die Situation nicht ganz so dramatisch, wie in anderen Reservationen, aber trotzdem dramatisch
Die Hoffnungslosigkeit der Lage, die Selbstentwertung der Blackfeet durch die staatliche und religiöse Entwertung ihrer Kultur und überkommenen Werte bringt das nach meiner Meinung schlimmste Problem hervor: Selbstmord. Die Selbstmordrate unter den amerikanischen Ureinwohnern ist extrem hoch. Schon siebenjährige Kinder versuchen der Trostlosigkeit durch den Tod zu entfliehen, im Reservat und auch außerhalb. Und das bei den Nachfahren einer Kultur, deren Sprache kein Wort für Selbstmord hat, wo die Kinder etwas sakrales, schützenswertes waren, die aufwuchsen, ohne Schläge oder Strafen zu kennen. Die Entwurzelung und das daraus resultierende Fehlen eines Selbstbewusstseins, eines Selbstwertgefühls bringt dieses Ausbluten der wichtigsten Ressource eines Volkes, der Jugend, hervor.
Montana hat die zweithöchste Selbstmordrate in den USA. Nach Aussage des Indianischen Gesundheitsservice (Indian Health Service) finden in der Blackfeet-Reservation mehr als ein Drittel aller versuchten und 13 % aller gelungenen Selbstmorde statt.
Dann darf ich hier noch die Korruption und Vetternwirtschaft ansprechen. Diese Typen werden „Sell-outs“ genannt, Ausverkäufer, Leute, die ihr Volk verkaufen.
Im Übrigen ist der Stamm extrem verschuldet. Bei einer Buchprüfung im April 2005 stellte sich heraus, dass der Stamm mit 18 Millionen Dollar verschuldet ist, inklusive Bankanleihen und Obligationen, da die Gelder, die dem Stamm aus Verträgen und Minen zustehen, nur bedingt bei den Blackfeet ankommen, nämlich nur 8 Cent von jedem Dollar. Der Rest verschwindet im Büro für indianische Angelegenheit.
Und trotzdem stellen diese Menschen Projekte, Hilfsprogramme und Institute auf die Beine, arbeiten ehrenamtlich und kämpfen gegen all das an. Sie versuchen, mit Nichts und aus Wenig eine Zukunft zu bauen. Einige Projekte stelle ich auf der nächsten Seite vor, aber es gibt noch weitere.
Nicht erzählt habe ich von den Potentialen dieser Menschen, die träumen und kämpfen, die über sich selber Witze reißen, (siehe Auto-Rally auf der News Seite und dann versteht man, was Native Stil auch sein kann) und immer noch weiter kämpfen, statt zu jammern.
Viele sind sehr künstlerisch begabt. Ihre Stickereien und die selbstgenähten Outfits künden davon, ihre Bilder, die man z. B. bei dem „Künstler des Monats“ der Blackfeet Heritage and Art Gallery, sieht oder die Tänze und Gesänge, die für die Powwows lange und intensiv geübt werden müssen. Die jugendlichen Musikbands, die wunderschönen Geschichten, die im Unterricht geschrieben werden, sehen wir leider nicht. Sie gehen im Gebrüll der Medien unter.
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