Pferdezeit

 

Bandera_Blackfoot_Nation

 

Pferdezeit- Plainskultur

 

Zeitraum: ca. 1745 bis 1890 Indian on horseback by Maximilian zu Wied-Neuwied

 

Das Pferd war – entgegen der landläufigen Meinung - nicht von den Vorfahren der amerikanischen Ureinwohnern während ihrer Einwanderung auf den amerikanischen Kontinent ausgerottet worden, sondern die Urform des Pferdes stammte aus Nordamerika und hatte sich in einer Warmzeit nach Asien ausgebreitet und dort überlebt, während es in Nordamerika durch die Eiszeit ausstarb. Die pferdefreien offenen Grasländer waren deshalb wie geschaffen für die Nachfahren des Urhippos, denn sie hatten das Urhippo ja hervorgebracht.

 

Das (neuzeitliche) Pferd kam auch nicht mit den Siedlern aus England oder Holland zu den amerikanischen Ureinwohnern, sondern wurde von den Spaniern mitgebracht und breiteten sich vom Süden der heutigen USA nach Norden aus und gelangte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts über die Apachen bis zu den Stämmen der südlichen Plains. Woher die Schwarzfuß-Indianer ihre ersten Pferde bekamen, wird noch diskutiert. Wahrscheinlich erwarben die Schwarzfuß-Indianer ihre ersten Pferde von den benachbarten westlichen Stämmen, den Flathead, Kutenai, Nez Percé oder Gros Ventre oder von den südlichen Shoshonen. Die Blackfeet selbst bevorzugen die letztere Lehrmeinung.

 

Als 1754 Anthony Henday, Abgesandter der Hudson's Bay Company, als erster Weißer zu den Schwarzfuß-Indianern vorstieß, war das Pferd bereits Teil ihrer Kultur. Wahrscheinlich kam das Tier in den 30 oder 40er Jahren des 18. Jahrhunderts zu den Blackfeet und etablierte sich innerhalb einer Generation und mit ihm die neue Lebensart.

 

Da die Blackfeet das Pferd nicht kannten, gaben sie ihm zuerst den Namen „Elchhund“, denn es war fast so groß wie ein Elch und konnte Lasten ziehen, wie ein Hund. Erst später erhielt es einen eigenen Namen.

 

Diese Pferde waren kleiner und gedrungener als die Tiere, die von den Westeuropäern ins Land gebracht wurden und sie wurden auf Ausdauer, Schnelligkeit, Widerstandsfähigkeit, besonders feste Hufe und Farben gezüchtet. Viele Fellzeichnungen hatten für die Plainsindianer beinahe sakrale Bedeutungen.

 

Die Blackfeet erkannten schnell die Nützlichkeit des Tieres und erwarben sie durch Handel und erweiterten die Anzahl vor allem durch Zucht. Allerdings konnten sich nur sehr reiche Männer reine Zuchtpferde leisten. Die meisten Pferde dienten sowohl als Reit-, als Last- und als Zuchttier. Der Fang von Wildpferden hatte dagegen einen sehr geringen Anteil an der Erweiterung der Herden, die durch Überfälle, Winterstürme und Epidemien gefährdet waren. Die eingefangenen Wildpferde starben schnell und selbst Fohlen konnten nur von den sogenannten Pferdemedizinmännern, denen man eine besondere Macht über die Tiere zusprach, gezähmt und aufgezogen werden. Der Raub von Pferden diente mehr oder minder nur dem Prestige und dem schnellen Erwerb von Besitz vor allem für junge Männer.

 

Mit dem Pferd kam der individuelle Besitz zu den Blackfeet und die ungeschichtete Gesellschaft einander ebenbürtig gegenüber stehender Menschen teilte sich, denn durch die Kraft der Pferde konnte mehr materieller Besitz angehäuft und transportiert werden. Jetzt bestimmte der Besitz den Status des Mannes, vor allem die Größe der Pferdeherde, die er besaß, ebenso immer mehr die Anzahl seiner Ehefrauen, die die Felle bearbeiteten, wertvolle Kleidung, eine großes Tipi oder Medizinbündel und nicht mehr so sehr seine Fähigkeiten. Auch die Stellung in den Männerbünden musste nun erkauft werden. Jetzt wurden mittellose Mitglieder der Schwarzfuß-Indianer von wichtigen Teilen des zeremoniellen Lebens der Blackfeet ausgeschlossen, nur aufgrund fehlender materieller Güter. Doch konnten gerade die Pferdeherden, der wichtigste Teil des männlichen Besitzes, schnell verloren gehen, z. B. durch Raubüberfälle.

 

Aber das Pferd brachte auch Erleichterung. Die Frauen wurden von der schweren Lastarbeit befreit. Ihnen gehörte jetzt nicht nur das Tipi, der Hausrat sowie die Vorräte, sondern auch die Pferde, die sie zum Transport dieser Dinge benötigten. Bei den Wanderungen wurde alles auf den Travois und in Satteltaschen verstaut. Dem Mann gehörten die Jagd- und Zuchtpferde.

 

Die Alten und Kranken konnten jetzt auf deTravois und Tipi n Wanderungen mitgenommen werden. Sie ritten auf den Pferden oder wurden auf den Travois transportiert.

Die Jagdgruppen, die sich in den Hundetagen aus miteinander verwandten Familien zusammensetzten, veränderten sich. Von den Führern der Jagdgruppen, den Jagdhäuptlingen wurde Großzügigkeit erwartet. Gaben diese nicht das, was erwartet wurde, dann trennten sich die Familien von ihrer Jagdgruppe und traten in eine andere ein, von dessen Führer sie sich mehr erhofften, sodass die Jagdgruppen zu einem lockeren Verband nicht enger verwandter Familien wurden.

 

Aus der Notwendigkeit der Zusammenarbeit und dem lockeren Zusammenhalt und dem Anstieg der Bevölkerung etablierte sich das Stammeshäuptlingtum. Es gab somit mehrere Leiter, wie den Heiligen Mann (Medizinmann), den Stammeshäuptling und die Führer der einzelnen Jagdgruppen, die Jagdhäuptlinge. Dazu kamen die Bünde. Der Sonnentanz als neues großes gemeinsames Fest unterstrich den Zusammenhalt des Stammes. Es wurde das wichtigste Ereignis des Jahres und ein tragendes Element in der Glaubenswelt der Schwarzfuß-Indianer. Sämtliche Blackfeet aller Gruppen und Lager trafen sich in einem riesigen Sommerlager, gingen gemeinsam auf die Jagd und bereiteten alles gemeinsam vor. Das stärkte den Stammeszusammenhalt trotz der zunehmenden Schichtung der Gesellschaft. Hier konnten neue Bündnisse, wichtige Freundschaften und auch Ehen lagerübergreifend geschlossen werden.

 

Bereits 1830 gab es ca. 5.500 Blackfeet und sie besaßen etwa 6.000 Pferde. Wenn eine Familie aus 8 Personen bestand, dann besaß jede Familie im Schnitt 10 Pferde. Dies sind allerdings Schätzwerte. Trotzdem kann man mit Bestimmtheit sagen, dass die Blackfeet die meisten Pferde von allen Prärieindianern besaßen. Die Blackfeet hatten die am besten zur Büffeljagd ausgebildeten Pferde, die sogenannten Büffelrennerpferde.

 

Zwischen 1740 und 1750 gab es verschiedene französische Handelsposten in Saskatchewan, aber außerhalb des Schwarzfuß-Territoriums. Sie kauften Felle von kleineren Säugern, wie Mardern oder Bibern auf, weil diese kleinen, leichten Felle leichter bis zur Atlantikküste transportiert werden konnten. Die Schwarzfuß-Indianer jagten diese Tiere nicht gern und so waren die Kontakte unregelmäßig und der kulturelle Einfluss gering.

 

Es war der einzige Zeitabschnitt mit friedlichem Kontakt und ehrlichem Handel zwischen den Rassen.

Die einhundert Jahre zwischen 1750 und 1850 werden oft als das “Goldes Zeitalter” der Blackfeet und alle Plainsindianer bezeichnen. Durch mit Hilfe die Pferde gewonnene Zeit und die eingesparte Kraft sowie den größeren materiellen Besitz entwickelte sich eine Kultur reich an Zeremonien und Feiern.

 

Die ersten Feuerwaffen tauschten die Blackfeet im gleichen Zeitrahmen wie die ersten Pferde von den Cree ein. Die Kriegsführung mit den verfeindeten Stämmen änderte sich. Damit und mit den Pferden stiegen die Schwarzfuß-Indianer zur beherrschenden Macht in den Plains auf. Selber bedrängt durch die Shoshonen, verdrängten sie Stämme, wie die Flathead und Kootenai, und eroberten neue Gebiete im Westen bis zu den Rocky Mountains und im Süden, auf das Territorium des heutigen Montana. Historiker spekulieren, dass in dieser Ausbreitungswelle nach Westen die Piegans die Vorhut waren, die Kainai die nördlichen und südlichen Flanken schützten und die Siksika im Norden verblieben, um das angestammte Gebiet gegen die Cree und Chippewa.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kontrollierten die Schwarzfuß-Indianer als Bund das Gebiet vom und weiteten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ihr Territorium auf ein immenses Gebiet vom Saskatchewan-River bis zum Oberlauf des Missouri, von den Rocky Mountains bis zum Yellowstone-River aus. Später drangen die Plains Cree und die Assiniboine von Norden und Osten her in das Territorium der Blackfeet ein. Die Piegàn wanderten nach Süden in das Gebiet des Missouri-Flusses, die Kainai zum Bow-Fluss und dem Belly-Fluss und nur die Blackfoot verblieben am Red-Deer-Fluss.

 

Später drangen die Plains Cree und die Assiniboine von Norden und Osten her in das Territorium der Blackfeet ein. Die Piegàn wanderten nach Süden in das Gebiet des Missouri-Flusses, die Kainai zum Bow-Fluss und dem Belly-Fluss und nur die Blackfoot verblieben am Red-Deer-Fluss.

 

Die Blackfeet akzeptierten die kanadischen Pelzhändler, die nur handelten, aber nicht selber jagten. Dagegen begegneten sie den Trappern und Händlern der USA feindlich, da diese zum einen in ihre Jagdgründe eindrangen, um selber zu jagen. Dazu kam, dass die Expedition von Lewis und Clark im Jahr 1806 zwei Piegàn bei einem Zusammenstoß getötet hatte.

 

Etwa 1780 begannen die Blackfeet direkt mit den englischen Kolonisten zu handeln. Der Handel bezog sich nicht nur auf Feuerwaffen, sondern schnell hielten verschiedene Stoffe, Decken, Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Tee und leider auch Alkohol bei den Blackfeet Einzug. Dazu Dinge, die zu Schmuck und Verzierungen verarbeitet wurden und oftmals gar nicht für diesen Zweck gedacht waren und natürlich Glasperlen, die schnell die Stachelschweinquilts verdrängten.

 

Um 1780 gab es mehr als 15.000 Schwarzfußindianer. Ihr Jagdgebiet war zwar etwas kleiner geworden, da inzwischen auch andere Stämme mit Gewehren und Pferden ausgestattet waren, wodurch es schwierig geworden war, die Grenzen des riesigen Territoriums zu schützen. Nichtsdestotrotz blieben die Schwarzfuß-Indianer ein nomadisierender Stamm und kämpften gegen jeden in der Prärie bis 1800. Ihre große Zahl, ihre Geschicklichkeit mit den Pferden und ihre Schießkunst ermöglichte ihnen weiterhin der beherrschende Stamm in Montanas nördlichen Plains zu bleiben.

 

Die Anzahl der Blackfeet nahm durch Epidemien, Hunger, Übergriffe und Alkohol von 1780, wo sie noch ca. 15.000 Menschen waren, auf 4.635 im Jahre 1909 ab. Zwischen 1868 und 1873 starben mehr als ein Viertel der Blackfeet an exessivem Alkoholgenuss. Der Alkohol wurde ihnen von den Weißen verkauft.

 

Dazu kamen die Epidemien, wie z. B. 1836 Diphtherie und 1837 die Pocken und militärische Aktionen gegen die Blackfeet. Bis 1896 sank ihre Zahl von 16.500 Schwarzfuß-Indianer, wie Catlin sie 1832 geschätzt hat, auf 1.400 Schwarzfuß-Indianer. Die Small Robes starben in dieser Zeit aus.

 

1855 schlossen die Blackfeet Gemeinsam mit den Gros Ventre, Flathead, Nez Perché und Plains Cree schlossen die Blackfeet 1855 einen Friedensvertrag mit den USA ab. Den Weißen wurde im Gegenzug zu einem exklusiven Jagdrecht in ihren jetzt Reservation genannten Territorien und deren Garantie, sowie jährlichen Zahlungen, gestattet, eine Eisenbahnlinie, Straßen, Telegrafen und Militärposten auf ihrem Gebiet zu errichten.

 

Trotz der Verträge wurde gleichzeitig eine verdeckte Ausrottungspolitik gegen die amerikanischen Ureinwohner, auch gegen die Blackfeet betrieben. So wurden Decken mit Pocken infiziert, die dann von den Blackfeet eingetauscht oder gekauft wurden. Vorallem beim „Winterhandel“ waren solche Aktionen sehr beliebt.

 

Schon kurze Zeit später folgten weiße Siedler den Straßen und Eisenbahnen und drangen in die neugeschaffenen Reservate ein und setzten sich fest. Zusammenstöße zwischen den Blackfeet und den weißen Eindringlingen waren an der Tagesordnung. Ebenso das exzessive Töten von Pelztieren und Büffeln. Natürlich unternahm die weiße us-amerikanische Regierung nichts gegen diese Vertragsverletzung. Als sich die Blackfeet wehrten, wurden militärische Strafexpeditionen durchgeführt, die im Marias Massaker von 1870 gipfelten.

 

Die Siedler und Händler, auch die, die illegal ihren dreckigen Whiskey (Alkohol, kontaminiertes Flußwasser, „verfeinert“ mit Pfeffer, Tabak und Zucker) in das Blackfeet-Territorium brachten, beschwerten sich über die wenigen Überfälle, die durch eine kleine Gruppe junger Männer unter der Führung von Owl Child durchgeführt wurden. Bei den Überfällen gab es zumeist keine Toten, sondern es wurden Pferde, Gewehre und Alkohol gestohlen, dazu Lebensmittel und Bekleidung. Die Weißen Eindringlinge riefen die Armee, die es nicht schaffte, die kleine Gruppe junger Männer zu fangen. Die zusammengerufenen Blackfeet-Häuptlinge konnten und wollte die Gruppe, die keinem Lager mehr angehörten nicht ausliefern, so wurde die Strafexpedition ausgesandt, bei der das 2. US-Kavallerie-Regiment das völlig unbeteiligte Lager von Heavy Runner auslöschte, dass ohne männlichen Schutz und durch Pocken geschwächt, angriff und die Kranken, Frauen und Kinder niedermetzelte oder verbrannte. Von 182 im Lager befindlichen Leuten überlebten neun Personen. Heavy Runner wurde trotz seines Schutzbriefes getötet.

 

Den Blackfeet war es durch die Pocken-Epidemie von 1870 nicht möglich, eine Gegenaktion, z. B. eine offene Schlacht gegen die Weißen durchzuführen. Sie mussten ihre Kräfte darauf richten, überhaupt zu überleben.

 

 

 

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