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Glaubenswelt
Für die Schwarzfuß-Indianer ist die Natur belebt und die höchste Gottheit, wenn man sie den so nennen will, ist die Sonne (Naató'si /ki’somm), der Mond ist seine Frau und der Morgenstern ist ihr gemeinsamer Sohn. Viele Dinge der Natur waren beseelt, so war der Donner ein mächtiger Geist. Adler, Raben und andere Vögel wurde eine besondere Macht zugesprochen. Es gibt Ansichten, die das Große Ganze (Naató'si) und die Sonne als unterschiedliche Kräfte ansehen.
Naató'si hat die Erde und alles im Universum geschaffen. Da der Alte Mann (Napi) viele Dinge verändert oder neu geschaffen hat, wird Napi oft als eine Verkörperung des Großen Ganzen gesehen. Der Alte Mann war von der Sonne gesandt worden, um den Schwarzfuß-Indianern zu lehren, ein sündenfreies Leben zu führen. Er wurde von seiner Frau, Erd-Frau (Ksah-koom-aukie) begleitet.
Wichtig für die Mythologie der Schwarzfuß-Indianer war die Nummer 4, die wichtigen Richtungen und die 7, bestehend aus den 6 grundlegenden Prinzipien/Gesetze und das Zentrum.
Die Methode, Visionen zu suchen, war den Schwarzfüßen von Napi, dem Alten Mann, gezeigt worden. Er gab ihnen dazu auch die Musik. Daher gehören Musik und Zeremonie zwingend zusammen. Die bei den Zeremonien und Ritualen verwendeten Gesänge waren heilig.
Bestimmte Orte haben eine besondere Bedeutung für die Blackfeet, so die Heart Butte (ein Berg) oder der Chief Mountain. Der Chief Mountain ist der heilige Berg der Blackfeet. Den Blackfeet war die Erde heilig. Die Geschichte ihrer Erschaffung wurde in den Legenden wach gehalten.
Heilige Tiere
Tiere haben den gleichen Stellenwert, die gleiche Wertigkeit wie die Menschen. Daher musste den Tieren gedankt werden, dass sie sich für das Leben der Blackfeet opferten. Ihr Opfer wurde mit Respekt angenommen werden. Dank und Respekt beruhigten die Geister der Tiere. Alle Lebewesen waren Teil eines gleichwertigen Systems.
Menschen und Tiere besaßen eine enge Verbindung. Tiere spielen darüber hinaus eine wichtige Rolle in der spirituellen Welt, denn sie waren an der Schöpfung der Erde beteiligt gewesen. Dadurch waren sie vollkommener als der Mensch und heilig.
Der Adler hatte eine Sonderstellung. Seine Federn wird eine spezielle Kraft zugesprochen. Viele Riten und Zeremonien beziehen sich auf ihn bzw. benötigen seine Federn. Ein Adler ist das Symbol für Unantastbarkeit und ist ein Bote der Geister. Damit ist er unantastbar. Es drückt sich in der Dreiheit Himmel-Adler-Mann.
Ein weiteres besonders heiliges Tier war der Bison. Der Bison war die Grundlage des Lebens für die Blackfeet, er gab mit seinem Leben Nahrung, Kleidung, Behausung und religiöse Gegenstände.
Heilige Pflanzen
Auch Pflanzen hatten spirituelle Kräfte. Der Salbei, das Süßgras oder der Tabak sind Beispiele. Viele Zeremonien konnten ohne den Rauch des Tabaks oder des Süßgrases nicht durchgeführt werden. Salbei hatte auch eine reinigende und schützende Funktion, z. B. beim Sonnentanz.
Schutzgeist
Jeder Schwarzfuß-Indianer hatte seinen Beschützergeist, den er in einer Visionssuche fand, oft während des Sonnentanzes oder mit Hilfe von Zeremonien eines Medizinbündels. Dieser gab ihm eine ihn stärkende Melodie. Hatte ein Mann seinen Geist gefunden, ließ er sich aus ihm wichtigen symbolischen Dingen eine Medizin fertigen. Diese Medizin durfte von niemandem angefasst werden und gab ihm Kraft und Schutz. Ebenso die Melodie. Sang er sie, erstarkte er. Brauchte er einen Rat oder war er sich im Zweifel, befragte er seinen Schutzgeist. Der Schutzgeist erscheint in Form eines Tieres und wird deshalb oft als Totemtier bezeichnet.
Ein Mann, der keine Visionen oder Träume hatte, konnte nicht mit seinem Schutzgeist in Verbindung treten. Ein solcher Mann musste sich von vom Medizinmann oder einem erfolgreichen Krieger ein heiliges Bündel, auch Medizinbündel genannt, fertigen lassen. Ein erfolgreicher Krieger kopierte dafür sein eigenes Bündel, denn ein Verkauf war nicht möglich. Das hätte den Schutzgeist beleidigt, der dieses Bündel und die dazugehörigen Gesänge dem Krieger geschenkt hatte.
Pfeife
Die Pfeife diente der Verwendung des Tabaks, einer heiligen Pflanze. Wer die Pfeife rauchte, manche nennen sie Friedenspfeife, manche auch Calumet, konnte nicht lügen. Mit dem Gebrauch der Pfeife wurden Verträge beschlossen, Zeremonien durchgeführt oder Versammlungen abgehalten, eröffnet und Dinge beschlossen.
Besondere Wesen
Es gibt mehrere Wesen, die ein wenig aus allem herausfallen, wie der Gestaltenwechsler oder Eisherz . Obwohl es durchaus heilige Wesen sind, sind sie böse oder bringen Menschen dazu, böses zu tun. Menschen müssen gegen sie ankämpfen, obwohl diese nicht endgültig besiegt werden können.
Andere, wie der Coyote, machen böse oder weniger böse Scherze, können aber auch helfen.
Sonnentanz (Naatosi Okahn) oder Medizintanz (medicine lodge)
Der Sonnentanz wird bei den Blackfeet traditionell auch als Medizintanz bezeichnet.
Der Sonnentanz etablierte sich wahrscheinlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei den Plains-Indianern. Wissenschaftler vertreten die Theorie, dass ein Element des Fruchtbarkeitskultes benachbarter ackerbauernder Stämme übernommen wurde. Der Legende nach kam die Weiße Büffelfrau zu einem Medizinmann Lakota /Sioux und überbrachte ihm den Sonnentanz.
Beim Sonnentanz wird die Brusthaut der Tänzer durchstochen und durch diesen gelösten Haut- und Fleischstreifen wurden Dornen, heute oftmals Holzpflöcke, geschoben, an die Seile befestigt sind, mit denen der Tänzer an einen Pfahl, der das Zentrum einer besonderen Hütte bildet, gefesselt ist. Nach dem Takt der Musik nähert und entfernt er sich von dem Pfahl und wenn er sich entfernt, wird die Haut gespannt. Irgendwann reißt die Haut und gibt den Tänzer frei. Seine Angehörigen oder die, die ihm nahe stehen, beten vom Schattenkreis aus, dass die Haut schnell nachgibt. Ein Eingreifen ist nur möglich, wenn der Tänzer ohnmächtig wird und ist nur besonderen Personen gestattet.
Der Sonnentanz dauert vier Tage und zwar von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, wobei der Tänzer ohne Nahrung und Wasser tanzen muss, allerdings ist der Tanz in Runden unterteilt und es werden den Tänzern Pausen gegönnt.
Ein Sonnentänzer muss innerhalb seines Lebens mindestens vier Mal am Sonnentanz teilnehmen.
Dem Tanz gehen Reinigungsrituale voraus, die z. B. aus dem Besuch in der Schwitzhütte und/oder Fasten bestehen. In der Pferdezeit fand der Sonnentanz zur Sommersonnenwende im Juni statt. Um den Tanz auch unter dem Druck der weißen Regierung erhalten zu können, wurde er auf den 4. Juli, den US-amerikanischen Unabhängigkeitstag, verlegt. 2007 fand er am 6. Juli statt, um möglichst vielen Blackfeet die Teilnahme zu ermöglichen.
Das besondere am Sonnentanz bei den Blackfeet ist, dass er von einer Frau eröffnet wird. Das bezeugt den hohen Status, den die Frau bei den Blackfeet einnahm. Das Amt der Frau, die den Sonnentanz eröffnet, durfte nur von Frauen von hoher moralischer Integrität eingenommen werden. Absolute Treue zu ihrem Ehemann war Voraussetzung. Die Blackfeet nahmen an, dass die Frau sterben würde, wenn sie untreu war und die Zeremonie vollzog. Daher befahlen manchmal Ehemänner, die Zweifel an der Treue ihrer Frau hatten, dass sie sich um dieses Amt bewarb.
Die Frau musste für diese Aufgabe ein besonderes Medizinbündel, das Natoas-Bündel (oder Many White Horses Bündel) erwerben, das viele Häute und Büffelzungen kostete. Das Natoas-Bündel enthält einen speziellen Kopfschmuck, mehrere Rasseln, einen Grabstock, mehrere Felle und Ockerfarbe. Es wird ausschließlich zum Sonnentanz geöffnet und wird die restliche Zeit in einem Parfleche aufbewahrt. Darüber hinaus mussten Büffelzungen und weitere Nahrungsmittel für die Feier selbst bereitgestellt werden. Das war oft nur durch die Hilfe der gesamten Familie möglich. Sie musste die besonderen, sehr komplizierten Gesänge erlernen und verschiedene Reinigungs- und Fastenrituale durchlaufen, bevor sie, unterstützt von anderen Frauen, die Zeremonie durchführen konnte.
Zur Sommersonnenwende kamen die verschiedenen Lager der Blackfeet zusammen, um den Sonnentanz zu zelebrieren. Der Sonnentanz war und ist die wichtigste Stammeszeremonie in der historischen, der Pferdezeit, bis heute. Diese Zeremonie wird als Ritus der Verstärkung (Rites of Intensification) bezeichnet, weil er die locker organisierten Stammesgruppen enger miteinander verband. Das soziale Gefüge wurde gefestigt. Es war die einzige Zeit im Jahr, wo sich der gesamte Stamm der Blackfeet zusammenfand.
Durch die Gemeinschaftsjagd auf den Bison gab es genug zu essen und die Bullenzungen waren als Opfergabe notwendiger Teil der Sonnentanz-Zeremonie.
Nach der Sonnentanz-Feier zerstreuten sich die Jagdgruppen des Stammes wieder in ihre angestammten Gebiete
Die Weißen, vor allem die Missionare, kamen mit dem blutigen Teil des Sonnentanzes nicht zurecht und verurteilten ihn. Ob sie den spirituellen Hintergrund nicht verstehen konnten oder wollten, bleibt dahingestellt. 1881 wurde das Durchstechen der Brusthaut (Piercing) Sonnentanz durch die weiße Regierung verboten und die Ausführung streng bestraft. Offiziell ging es dabei, die Selbstquälerei zu beenden und die Gesundheit der Blackfeet, wie aller Plainsindianer zu schützen, doch der eigentliche Grund war, die Kraft und den moralischen Widerstand, den die Ureinwohner aus dieser Zeremonie zogen, den Boden zu entziehen.
Während für Darbietungen für die Weißen nun Pferdegeschirre benutzt wurden, lebte der Sonnentanz im Geheimen weiter. Doch 1904 wurde der Sonnentanz vollkommen verboten. Erst die Indianische Reorganisationsverordnung (Indian Reorganization Act) von 1934 hob das Verbot des Sonnentanzes wieder auf.
In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erwachte ein neues Selbstbewusstsein unter den amerikanischen Ureinwohnern, was mit einer Wiederbelebung der Traditionen und Wurzeln einherging, dabei kam dem Sonnentanz eine besondere Bedeutung zu.
Wissenschaftler vertreten mehrere Theorien, welchem Zweck dieses Ritual dienen soll: Entweder soll das Durchstechen der Brusthaut beim Sonnentanz, der traditionell nur von Männern ausgeführt wird, ihnen eine Vorstellung der Schmerzen vermitteln soll, die die Frauen bei Schwangerschaft, Geburt und Fruchtbarkeit ertragen müssen. Oder damit soll die Fruchtbarkeit gehuldigt und die Wiederkehr der Büffel gesichert werden. Scout Cloud Lee sagte einmal, dass so die Sonnentänzer die Schmerzen einer Frau während einer Geburt erleben, sich dem Geheimnis von Blut und Schmerz annähern, ohne dass die Männer dafür einen Krieg führen müssen.
Der Sonnentanz ist keine einfache Form der Sonnenanbetung, er kann auch eine Visionssuche, eine innere Reinigung, ein Gelübte, die Überwindung von inneren Problemen, Teil eines Heilungszeremonie oder die Suche nach Höherem sein. Bei jungen Männern war sie früher oft Teil des Initiationsritus, damit sie als Krieger akzeptiert wurden. Die Gründe, die einen Menschen heute dazu bringen, den Sonnentanz durchzuführen, sind vielfältig und sehr persönlich und gehen uns nichts an.
Am Rande des Sonnentanzes werden auch Heilzeremonien für Nicht-Tänzer durchgeführt. Es werden über spektakuläre Heilungserfolge berichtet.
B ei verschiedenen Plainskulturen ist der Sonnentanz Teil der Sieben Zeremonien.
Zeremonien
Eine Zeremonie wird meist von Musik, speziellen rituellen Gesängen und einem Tanz (Páskani) begleitet. Bei vielen Zeremonien sind diese Teile zwingend und in ihrer Form vorgeschrieben.
Medizinpfeifenzeremonie
Sie war die wichtigste Zeremonie des Frühjahrs und fand anlässlich des ersten Frühlingsgewitters statt.
Morgenzeremonie
Mit dem Aufgehen des Morgensterns (Iipisowaahs) begann der Tag bei den Blackfeet. Die heiße Asche des Feuerplatzes wurde auf den Erdaltar gelegt und mit Süßgras (Sipatsimo) bestreut. Der aufsteigende süße Rauch reinigte das Tipi und segnete die Familie. Der Mann des Zeltes sang die heiligen Lieder und bat so um die Unterstützung von Naato’si, der Sonne, damit der Tag gut werde. Während dieser Zeit herrschte Ruhe im Tipi und alle dachten an den beginnenden Tag.

Die Handelszeremonie
Innaihtsookakihtsimaan nennen die Schwarzfuß-Indianer dieses Ritual, mit dem abgesichert wurde, dass der Vertrag mit dem ‚Geist des Guten Willens’ gemacht wurde. Dabei wurden, als Zeichen der Freundschaft, Geschenke ausgetauscht, dann kreiste die Pfeife und es wurde der Schöpfer gefragt, dass er Zeuge des Vertrages sei und jedem helfe, seine Verpflichtungen zu erfüllen.
Der Bisonruf
Vor der Jagd versammelten sich die Männer in einem Tipi und führten eine spezielle Zeremonie durch, den Ruf des Bisons, um eine erfolgreiche Jagd zu sichern. Die Blackfeet-Männer sangen Ehrenlieder auf den Bison, beteten für den Erfolg der Jagd und erklärten den Tieren, dass ihr Tod notwendig sein, damit das Überleben der Blackfeet im kommenden Winter gesichert sei. Die Blackfeet dankten dem Bison, dass er sich für ihr Überleben opferte.
Wenn die Zeremonie richtig durchgeführt wurde, wussten die Tiere, dass die Menschen sie mit Respekt behandelten und sprangen über die Klippe in den Tod (Bisonsprung –Pisskan).
Biberkult
In den Dogdays war der Biberkult der wichtigste religiöse Kult überhaupt, denn den Bibermedizinmännern wurde die Macht zugesprochen, die Bisonherden zu den Jägern zu leiten.
Bei der Biberzeremonie wurde auch das sogenannte Zeltschütteln durchgeführt. Es war Ende des 18. Jahrhunderts noch verbreitet. Dabei wurde ein Medizinmann an Händen und Füßen gefesselt, in ein nur dafür bereitstehendes kleines Tipi gestoßen. Was dann im Inneren dieses kleinen Zeremonialtipis stattfand, ist nicht sicher bekannt. Sicher ist nur, dass das gesamte Tipi zu schwanken begann und eigenartige Lieder erklangen. Auch Kampfgeräusche wurden beschrieben.
Die Zeremonie war beendet, wenn der Medizinmann wieder erschien, allein und ohne Fesseln. Er sagte dann voraus, wo Wild zu finden war, wer erkranken würde oder ob Angriffe scheitern oder gelingen würden.
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