|
Dogdays - Hundetage
Zeitraum: von der Ankunft im Einzugsbereich der Plains bis ca. 1745
Die Lebensart der Schwarzfuß-Indianer vor der Ankunft der Pferde ist nur noch in den mythischen Überlieferungen zu finden und in den Aufzeichnungen des David Thompson, einem Pelzhändler, der 1787/88 mit einigen sehr alten Blood-Indianer über diese Zeit gesprochen hatte. Die Schilderungen zeigten, dass die Schwarzfuß-Indianer auf einem steinzeitlichen Kulturniveau gelebten hatten.
Ihre Materialien waren Stein, Geweih, Horn, Holz und als wichtigstes Material Obsidian, das schwarze, sehr harte vulkanische Glas, dass sie vor allem als Schneidwerkzeug einsetzten, dazu Leder, Sehnen und Pflanzenfasern. Es gab den Beginn der Töpferkunst (ohne Töpferrad), mit denen vornehmlich Kochgefäße hergestellt wurden. Ihre Waffen waren Lanzen, Langbogen und Steinkeulen (Knüppel mit runden Steinen am vorderen Ende).
Der Name „Dogdays“ (Hundetage) für diese Zeit kam später auf, weil in dieser Zeit die Hunde die einzigen Haustiere der Schwarzfuß-Indianer waren. Den Hunden und den Frauen kam damals die Aufgabe zu, bei den Wanderungen die Travois mit den Tipis, den Vorräten und den wenigen Utensilien, zu ziehen.
Da sie keine Lasttiere hatten und durch ihre Lebensweise und den Lebensraum mehrfach im Jahr das Lager verlegen mussten, konnten nicht viele materielle Güter angehäuft werden. Das Leben war sehr bescheiden und sicherlich auch mühsam, allerdings gab es auch kein arm oder reich. Die Gesellschaft der Schwarzfuß-Indianer war ungeschichtet. Zum Beispiel besaßen die meisten Schwarzfuß-Indianer nicht mehr Bekleidung, als sie am Leibe trugen und zusätzlich einmal zum Wechseln.
Prestige konnte ein Mann nur durch physische Kraft, Erfahrung und Wissen erlangen. Diese Männer wurden oft zu den Leitern der voneinander unabhängigen Jagdgruppen ernannt, den Jagdhäuptlingen. Die Jagdgruppen bestanden aus ungefähr 20 bis 30 Familien, die meist miteinander verwandt waren, und umfassten auf diese Weise etwa 200 Menschen. Dies war die Anzahl von Personen, die für die damals praktizierte Bisonjagdmethode notwendig war und um das Lager auf vor Angriffen feindlicher Stämme zu verteidigen. Gleichzeitig war eine solche Gruppe klein genug, um auch Hungerzeiten zu überstehen.
Stammeshäuptlinge, die verschiedene Jagdgruppen zusammenfassten und leiteten, gab es wahrscheinlich damals noch nicht. Den einzelnen Jagdgruppen standen gewählte Führer, die Jagdhäuptlinge, vor. Weiterhin hatte der Weise Mann, der Medizinmann, großen Einfluss auf viele Entscheidungen. Es wird von davon ausgegangen, dass es auch in dieser Zeit zu einer Trennung zwischem Jagd-, Kriegs- und zivilem Führer kommen konnte.
Auch zu dieser Zeit war der Bison die bevorzugte Jagdbeute der Schwarzfuß-Indianer. Die Jagdmethode, die zu der Zeit üblich und erfolgreich war, war die Umzingelungsjagd. Dabei wurden eine Herde Bison in ein Korral aus Travois’ getrieben, um sie zu töten oder die Tiere wurden über eine Klippe gejagt, wo sie an den Folgen des Sturzes starben oder zumindest nicht mehr weglaufen konnten und mit der Lanze oder der Steinkeule getötet wurden. Zur Klippensturzjagd, dem „Piskun“, konnten sich auch mehrere Gruppen zusammenfinden.
In den Dogdays war der wichtigste religiöse Kult der Biberkult. Damals glaubten die Schwarzfuß-Indianer, dass die Bibermedizinmänner die Herden zu den Jägern leiten würden. Ihre Macht brachte der gesamten Jagdgruppe Nahrung, Kleidung und Unterkunft.
Der Sonnentanz (Medicine Lodge Ceremony) war zu der Zeit wahrscheinlich noch unbekannt und kam erst ca. Anfang des 18. Jahrhunderts zu den Schwarzfuß-Indianern.
Regelmäßig trafen sie sich zu Zeremonien, später zum Medizin-/ Sonnentanz, zum Handel und zur gemeinsamen Durchführung von Ritualen. Meist innerhalb eines Stammes.
Raubzüge zu den anderen Stämmen dienten der Erbeutung von Frauen als Arbeits- und Lastsklaven und als Lustobjekte. Alte und Kranke wurden auf den Wanderungen, wenn sie nicht mehr mithalten konnten, mit einigen wenigen Nahrungsvorräten ausgesetzt.
Traditionelle Feinde der Blackfeet waren in dieser Zeit die Shoshonen, die Plains Cree, die Sioux, die Flathead und die Assiniboin. Die Kämpfe wurden mit Pfeil und Bogen und Lanze ausgetragen. Natürlich zu Fuß. Und auch schon damals waren die Schwarzfuß-Indianer mit ihren Nachbarn, den Gros Ventre und den Sarcee alliiert.
In dieser Zeit, in den Hundetagen, war eine Gartenkultur mit Anfängen von Ackerbau vorhanden. Nur der Tabakanbau überlebte den Wechsel zur nomadischen Pferdekultur.
Um 1730 kamen die Schwarzfuß-Indianer durch Handel in den Besitz der ersten Metallgegenstände, wie Gewehre, Metallmesser, Äxte, Pfeil- und Lanzenspitzen, aber auch Töpfe und Kessel und neuer fremdartiger Schmuck aus Metall und Glas. Diese Waren erreichten sie über die Cree und Assiniboin von den Engländern der Hudson’s Bay Company und den französischen Händlern aus Montreal.
Die wenigen zerbrechlichen Tongefäße verloren schlagartig ihre Bedeutung und wurden nicht mehr genutzt.
Zeitgleich kam das Pferd zu den Schwarzfuß-Indianern. Die Tage der Hunde waren beendet.
Der Handel mit den weißen Eindringlingen lief noch über andere Stämme ab. Die Schwarzfuß-Indianer hatten so gut wie keine Kontakte mit den Weißen und der kulturelle Einfluss bezog sich nur auf einige Handelswaren, wie Waffen, Metallgegenstände und Lebensmittel.
Es war der einzige Zeitabschnitt mit friedlichem Kontakt und ehrlichem Handel zwischen den Rassen.
|